Flexible Arbeitszeiten

Vorurteile und Fakten

Über die flexiblen Arbeitszeiten haben Sie schon viel gehört?

Verschaffen Sie sich einen Überblick über sieben hartnäckige Vorurteile und erfahren Sie, was wirklich Fakt ist.

Alle Fakten auch als PDF zum Download.

1

Vorurteil:

Mit dem 12-Stunden-Tag arbeiten Sie 60 Stunden pro Woche.


Fakt ist:

Ein 12-Stunden-Tag ändert nichts an der 40-Stunden-Woche. Sie haben einfach mehr Freizeit an einem Wochentag oder bekommen die Überstunden ausbezahlt.

2

Vorurteil:

Die 11. und 12. Stunde bekommen Sie ganz normal bezahlt.


Fakt ist:

Die 11. und 12. Überstunde sind immer Überstunden mit Zuschlag.

3

Vorurteil:

Sie müssen auf Abruf Überstunden machen und können Ihre Freizeit nicht mehr planen.


Fakt ist:

Sie können von Ihrem Chef rechtzeitig gebeten werden, Überstunden zu machen, weil es die Auftragslage verlangt.

4

Vorurteil:

Wenn Sie einmal wegen der Kinder oder eines privaten Termins wegmüssen, werden Sie schief angeschaut.


Fakt ist:

Genauso wie Sie Verständnis für die Auftragslage Ihres Unternehmens haben, hat Ihr Chef Verständnis für Ihre privaten Termine.

5

Vorurteil:

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen keine flexiblen Arbeitszeiten.


Fakt ist:

Fast 80 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind flexibel und bereit, phasenweise länger zu arbeiten.

6

Vorurteil:

Nur die Unternehmerinnen und Unternehmer haben etwas von flexiblen Arbeitszeiten.


Fakt ist:

Flexible Arbeitszeiten bringen mehr Verdienst (50% Zuschlag für Überstunden) oder längere Freizeitblöcke.

7

Vorurteil:

Die Österreicherinnen und Österreicher arbeiten ohnehin schon sehr lange.


Fakt ist:

Die tatsächliche Wochenarbeitszeit Österreichs liegt mit 39,6 Stunden genau im EU-Schnitt.

Das fragt sich Österreich

Flexibleres Arbeiten bringt Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Vorteile,

  • weil sie ihre Arbeitszeit selbst flexibler einteilen können,
  • weil sie nach längeren Arbeitstagen Zeitausgleich erhalten und damit ihr Wochenende oder ihren Urlaub verlängern können,
  • weil sie Überstundenzuschläge erhalten,
  • weil ihr Arbeitsplatz dadurch abgesichert wird.

(Es ist besser, Auftragsschwankungen durch flexible Arbeitszeiten als durch kurzfristigen Personalauf- und -abbau – wie es in den USA gemacht wird – abzufangen. So wurden in der Krise 2008/09 in Österreich über 40.000 Jobs durch Überstundenabbau und flexible Arbeitszeiten gesichert.)

12 Stunden pro Tag bleiben die Ausnahme. Im Schnitt darf weiterhin maximal 48 Stunden pro Woche gearbeitet werden. Wichtig: Die 11. und 12. Stunde sind grundsätzlich Überstunden mit Zuschlag. Flexible Arbeitszeiten bringen also nicht mehr Arbeit, sondern mehr Geld oder längere Freizeitblöcke.

Nein, denn die 11. und 12. Stunde sind grundsätzlich mit Überstundenzuschlag zu bezahlen. Überstunden werden also auch in Zukunft mit einem 50-%-Zuschlag abgegolten.

All-in-Verträge bringen sowohl für den Arbeitnehmer als auch für den Arbeitgeber Vorteile, wenn sie richtig angewendet werden. Arbeitnehmer bekommen besser und gleichmäßiger bezahlt, auch dann, wenn keine Überstunden anfallen. Für Arbeitgeber bedeuten All-in- Verträge weniger Verwaltungsaufwand. Die zulässige Grenze für Höchstarbeitszeit gilt auch bei All-in-Verträgen.

Arbeitszeiten werden zwischen Mitarbeiter und Unternehmen bzw. Betriebsrat und Unternehmen vereinbart. Diese einvernehmliche Vereinbarung auf Betriebsebene im gegenseitigen Interesse soll in Zukunft noch weiter verstärkt werden.

12 Stunden am Tag zu arbeiten, bleibt die Ausnahme. Es gibt zahlreiche Berufsgruppen, die schon jetzt länger arbeiten (z.B. Gesundheitsberufe, leitende Angestellte, Kfz-Lenker, Arbeitnehmer im öffentlichen Verkehr, alle Beamten oder die Mitarbeiter von Universitäten) und weder gesundheitlich noch in ihrer Arbeitszufriedenheit beeinträchtigt sind. In anderen Ländern (z.B. Finnland und Schweden) gibt es überhaupt keine Vorschriften für Höchstarbeitszeiten und auch dort sind Menschen zufrieden und glücklich mit ihrer Arbeit.

Österreich gehört mit einer derzeitigen Maximalarbeitszeit von 10 Stunden pro Tag zu den EU-Ländern mit den restriktivsten Arbeitszeiten. In den meisten EU-Ländern darf bis zu 12 und 13 Stunden pro Tag gearbeitet werden. Wir stehen im internationalen Wettbewerb – und flexible Arbeitszeiten sind wichtig für den Wirtschaftsstandort Österreich und die Sicherung von Arbeitsplätzen.

Beispiele aus anderen Ländern zeigen, dass solche Maßnahmen keinen Erfolg haben, sondern sogar zu einer Verschlechterung der Situation für Arbeitnehmer führen. In Frankreich stieg die Arbeitslosenrate nach Verkürzung der Wochenarbeitszeit im Jahr 2000 auf 35 Stunden von 8,6 % auf 10,4 %. Die durchschnittliche Arbeitszeit nimmt ohnehin ab – die Österreicher leisten heute im Schnitt fast eine Überstunde pro Woche weniger als 2007 und der Anteil der Teilzeitbeschäftigten nimmt zu.

Ohnehin steigen die Beschäftigtenzahlen kräftig und der Trend geht hin zu weniger Überstunden und mehr Teilzeit, weil das oft den Bedürfnissen der Mitarbeiter und Betriebe entspricht. Eine zwangsweise Arbeitszeitverkürzung ist hingegen kontraproduktiv. In Frankreich, wo man das gemacht hat, ist die Arbeitslosigkeit höher und die Arbeitszufriedenheit geringer als in Österreich.

Ganz im Gegenteil, flexible Arbeitszeiten bringen Vorteile für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Vater oder Mutter können zum Beispiel abends im Home-Office arbeiten, wenn die Kinder schlafen.

Haben zudem auch Kinderbetreuungseinrichtungen längere Öffnungszeiten, so können bei flexibleren Arbeitszeiten Familie und Beruf optimal vereinbart werden.

Auch Wegzeiten entfallen, wenn Arbeit auf drei oder vier Tage geblockt wird und so größere Freizeitblöcke für die Familie zur Verfügung stehen.

Flexible Arbeitszeiten sichern Arbeitsplätze. Denn es ist besser, Auftragsschwankungen durch flexible Arbeitszeiten aufzufangen als durch kurzfristigen Personalab- und aufbau. Das hat sich vor allem in der Krise 2008/09 gezeigt. Der internationale Vergleich macht deutlich, dass ein Standort umso fortschrittlicher ist, je flexibler die Arbeitszeiten sind. Österreich steht im globalen Wettbewerb und muss mit anderen Ländern mithalten können. Denn nur eine funktionierende Wirtschaft garantiert letztendlich Arbeitsplatze.

Wenn heute dringende Aufträge außerhalb der restriktiven Arbeitszeitbestimmungen erledigt werden, ist das auf ein Übereinkommen zwischen Betrieb und Mitarbeitern zurückzuführen. Beide Seiten wollen dann den Auftrag zum Abschluss bringen. Bisher wurde hier im Graubereich agiert. Wir wollen aber keinen Graubereich, sondern Rechtssicherheit.

Mehr Infos:

Warum Handlungsbedarf besteht, gibt’s hier zum Download.